Micron Document
____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|


The NomadNet German Wikipedia | Archives | Info
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b

🔍 Search

ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ

Gerhard Palitzsch
──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
top
Gerhard Arno Max Palitzschcite-ref-1[1] (* 17. Juni 1913 in Großopitz; † 7. Dezember 1944 bei Budapest) war ein deutscher SS-HauptscharfĂŒhrer, der als Rapport- und LagerfĂŒhrer im KZ Auschwitz eingesetzt war.

Contents

‱ Leben
‱ Zitate
‱ Literatur
‱ Weblinks

──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

Leben

Palitzsch war von Beruf Landwirt. Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.965.727)cite-ref-2[2] und im selben Jahr der SS bei (SS-Nummer 79.466). Ab 1933 verrichtete er als Angehöriger der SS-Wachtruppe zunĂ€chst im KZ Oranienburg und im KZ Lichtenburg Wachdienst. Ab 1936 fungierte er im KZ Sachsenhausen als BlockfĂŒhrer und spĂ€ter auch als RapportfĂŒhrer.cite-ref-3[3] Am 20. Mai 1940 traf Palitzsch mit 30 sogenannten „reichsdeutschen“ kriminellen HĂ€ftlingen aus dem KZ Sachsenhausen in dem neu eingerichteten KZ Auschwitz ein. Diese „bewĂ€hrten“ HĂ€ftlinge, mit den HĂ€ftlingsnummern 1 bis 30, fungierten spĂ€ter als FunktionshĂ€ftlinge in Auschwitz.cite-ref-4[4]

Diese Begebenheit findet auch in den Aufzeichnungen des Lagerkommandanten Rudolf HĂ¶ĂŸ eine ErwĂ€hnung:

„[
] Der RapportfĂŒhrer sollte 30 BVer – Politische HĂ€ftlinge wurden vom RSHA fĂŒr Auschwitz nicht freigegeben – aus allen Berufen aussuchen. Er brachte nach seiner Überzeugung die 30 besten, die in Sachsenhausen zur VerfĂŒgung standen. Keine Zehn waren fĂŒr mein Wollen, fĂŒr meine Absichten davon geeignet. Palitzsch hatte die HĂ€ftlinge ausgesucht nach seinem DafĂŒrhalten, so wie er sich die HĂ€ftlingsbehandlung vorstellte, wie er es gewohnt war, wie er es gelernt hatte. Nach seiner Veranlagung konnte er gar nicht anders handeln.“cite-ref-5[5]

HĂ¶ĂŸ schildert im Folgenden, dass damit der Grundstein fĂŒr ein marodes System im HĂ€ftlingslager gelegt war und die Auswahl des RapportfĂŒhrers von höherer Stelle ein Akt der UnfĂ€higkeit, BeschrĂ€nktheit, Verbohrtheit und Böswilligkeit gewesen sei. Man habe, in Bezug auf die Böswilligkeit und Weltanschauung, genau die „Kreaturen“ im Lager eingesetzt, die zu der Weltanschauung der Oberen gepasst hĂ€tten.cite-ref-6[6]

ZunĂ€chst war Palitzsch auch in Auschwitz als RapportfĂŒhrer tĂ€tig.cite-ref-lasik232-7-0[7] Er begrĂŒĂŸte Neuankömmlinge in Auschwitz teilweise folgendermaßen:

„Wir Deutschen haben kein Mitleid mit den Feinden des Dritten Reiches, so wie ihr welche seid. Mit Freude werden wir euch alle durch die Kamine der Krematorien jagen. Vergeßt eure Frauen, eure Kinder und eure Familien. Hier werdet ihr verrecken wie Hunde“.cite-ref-8[8]

Als RapportfĂŒhrer hatte er in der Hierarchie des KZ-Systems unter dem Lagerkommandanten eine einflussreiche Stellung. Ihm mussten sogenannte HĂ€ftlingsstrafmeldungen direkt zugetragen werden, ebenso wurden die VerpflegungsstĂ€rkemeldungen immer direkt an Palitzsch herangetragen. Seine Arbeit erfolgte sehr eng mit der Politischen Abteilung des KL Auschwitz. Diese bestimmte teils auch, welche HĂ€ftlinge getötet werden sollten.cite-ref-9[9] HĂ¶ĂŸ betonte in seinen Aufzeichnungen mehrfach, wie prĂ€gend der Einsatz von Palitzsch und anderer fĂŒr die BrutalitĂ€t, mit der im Lager gehandelt wurde, gewesen sei.cite-ref-10[10]

Palitzsch wandte am 11. November 1941 vor der Schwarzen Wand als erster die Methode der Einzelerschießung von HĂ€ftlingen mit dem Kleinkalibergewehr (Genickschuss) an.cite-ref-museum240-11-0[11]

„Mechanisch lĂ€dt der Henker jedesmal sein Gewehr durch und fĂŒhrt Exekution auf Exekution durch. Entsteht einmal eine Verzögerung, dann setzt er die Waffe ab, pfeift sich ein Liedchen oder unterhĂ€lt sich mit den Umstehenden ĂŒber betont gleichgĂŒltige Themen. Er will mit dieser zynischen Haltung zeigen, wie wenig es ihm ausmacht, dieses Pack umzulegen, und wie hart er ist. Er ist stolz darauf, ohne jede Gewissensempfindung diese unschuldigen Menschen umzubringen. Wenn einer nicht den Kopf stillhĂ€lt, dann preßt er ihm die GewehrmĂŒndung ins Genick und drĂŒckt ihn mit dem Gesicht gegen die Wand.“cite-ref-12[12]

Der HĂ€ftling Witold Pilecki schilderte in seinem Bericht, den er im Sommer 1945 verfasste, folgendes:

„Es gab dort zwischen den Blocks 12 und 13 [Anm.: alte Nummerierung] einen freien Platz. Auf der Ostseite war er von einer Wand zwischen den beiden Blöcken abgeschlossen, der sogenannten Klagemauer. Auch die Westseite war von einer Wand mit einem Durchgang versperrt, die als Sichtblende diente. Den Durchgang passierten die Verurteilten zunĂ€chst lebend und dann wieder als blutĂŒberströmte Leiche. Ging man in der NĂ€he vorbei, roch es oft so wie in einem Schlachthaus. [
] Im abgeschlossenen Hof waltete Palitzsch, ein gutaussehender Mann, der nie einen HĂ€ftling schlug (das war einfach nicht sein Stil) als Henker seines Amtes. Die Verurteilten mussten sich ausziehen und nackt in einer Reihe aufgestellt warten, bis sie an die Reihe kamen, vor die ‚Klagemauer‘ zu treten und von Palitzsch mit einer Kleinkaliberpistole in den Hinterkopf geschossen zu werden.“

Nach den Erinnerungen des SS-Mannes Johann Becker beanstandete Palitzsch einmal im Schlachthaus, „daß die KĂŒhe von den HĂ€ftlingen dort in zu roher Weise geschlachtet wĂŒrden.“cite-ref-13[13]

Palitzsch gehörte zu den SS-Angehörigen, die sich auch aus eigenem Antrieb heraus und ohne höheren Befehl der Erschießung von HĂ€ftlingen annahmen. So geht die Erschießung mehrerer polnischer Offiziere, die mit einem Transport am 15. August 1940 das Lager erreicht hatten, auf Palitzsch zurĂŒck. Der Grund fĂŒr deren Tötung war laut einer spĂ€teren Anklageschrift gegen den RapportfĂŒhrer deren Verweigerung, seine Stiefel zu kĂŒssen.cite-ref-14[14]

Palitzsch gilt als einer der Hauptbeteiligten bei ersten Versuchen zur Massentötung von HĂ€ftlingen unter Einsatz von Zyklon B.cite-ref-15[15] Anfang September 1941 erfolgte unter Teilnahme von Karl Fritzsch und Gerhard Palitzsch im Block 11 des Stammlagers die erste Massenvergasung, bei der etwa 900 sowjetische Kommissare und selektierte Kranke mit Zyklon B getötet wurden.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17] Als RapportfĂŒhrer hatte er in der Folgezeit auch die Aufsicht ĂŒber den Vergasungsvorgang der jĂŒdischen HĂ€ftlinge und war ab 1942 zudem auch im MĂ€nnerlager von Auschwitz-Birkenau tĂ€tig.cite-ref-museum240-11-1[11] Nach der Einrichtung des „Zigeunerlager Auschwitz“ wurde Palitzsch im Juni 1943 dessen Leiter.cite-ref-lasik238-18-0[18]

Der HĂ€ftling Jan Wolny wurde Zeuge einer anderen Hinrichtung, die von Palitzsch und anderen durchgefĂŒhrt wurde:

„[
] Am stĂ€rksten durchlebte ich den Augenblick, als die beiden Frauen und das MĂ€dchen zu weinen anfingen und baten, ihnen das Leben zu schenken. Da ging Palitzsch zu ihnen hin, betĂ€ubte eine der Frauen mit einem Schlag der Pistole auf den Kopf und schleppte sie an die Böschung. [
] Bogner (Angabe) und Palitzsch gaben den FĂŒsilierten den Todesschuß, sie hielten ihnen den Pistolenlauf an das Ohr und drĂŒckten ab. Sie machten diese Arbeit sehr bereitwillig, sie hatten lachende Gesichter, und wenn sie von der Böschung zurĂŒckgingen, dann machten sie den Eindruck, als kĂ€men sie von einer gelungenen Jagd. An diesem Tag wurden 30 Personen polnischer NationalitĂ€t erschossen“.cite-ref-19[19]

Ein weiterer Bericht von einer Erschießung durch den SS-HauptscharfĂŒhrer liegt durch den ehemaligen HĂ€ftling Franciszek Gulba vor:

„[
] Die Exekution fĂŒhrte RapportfĂŒhrer Palitzsch aus. WĂ€hrend der Pausen, solange es dauerte, bis die nĂ€chste Gruppe herbeigefĂŒhrt wurde, warf er sich das Kleinkalibergewehr ĂŒber die Schulter, spazierte auf dem Hof herum und rauchte dabei völlig ruhig Zigaretten. [
] Am Schluß wurde eine Frau mit Kind herbeigefĂŒhrt [
] Palitzsch erschoß zuerst die Mutter. Als diese auf die Erde fiel, warf sich das Kind weinend auf die am Boden liegende Leiche und rief: Mama! Mama! Palitzsch schoß auf das MĂ€dchen, aber er schoß offensichtlich fehl, da das Kind weiter die Leiche der Mutter umfaßte und sie schĂŒttelte. [
] Solche Exekutionen sahen wir fast tĂ€glich.“cite-ref-20[20]

Obwohl die Administration des Konzentrationslagers durchaus Strafen fĂŒr willkĂŒrliches Töten von HĂ€ftlingen kannte, wurden diese nur sehr selektiv verhĂ€ngt. Palitzsch wurde vom Lagerkommandanten persönlich protegiert.cite-ref-21[21] So wurde Palitzsch zum Hauptexekutor von Todesurteilen. In Gegenwart eines HĂ€ftlings soll er behauptet haben, persönlich 25.000 Menschen erschossen zu haben.cite-ref-22[22]

Privatleben

WĂ€hrend der Zeit in Auschwitz lebte die Familie Palitzsch in der heutigen Obozowa-Straße in Oƛwięcim. Das zweistöckige Haus der Familie Kapcinski wurde dafĂŒr zuvor enteignet. An die Immobilie schloss sich ein kleiner Garten an, in dem das Ehepaar Palitzsch GĂ€nse zĂŒchtete und etliche Sorten GemĂŒse anbaute. Die 19-JĂ€hrige Helena Klys wurde zur Arbeit im Haushalt der Palitzschs verpflichtet. Als Helena Klys begann, fĂŒr die Familie zu arbeiten, bestand diese neben Palitzsch aus seiner Frau Luise und der dreijĂ€hrigen Tochter Helga. Die junge Polin beschrieb die Frau des RapportfĂŒhrers in ihren Aufzeichnungen:

„I really liked Frau Palitzsch. She was tall, and she had lovely eyes, a nice smile and she always spoke in a gentle tone.“cite-ref-23[23]
("Frau Palitzsch mochte ich wirklich gern. Sie war groß und hatte sehr schöne Augen, ein hĂŒbsches LĂ€cheln und sie sprach immer in sanftem Ton.")

Palitzsch selbst wurde von Frau Klys ebenfalls als blonder, gutaussehender Mann beschrieben, der lediglich einen komischen Ausdruck in den Augen hatte. Im weiteren Verlauf ihrer Arbeitszeit spricht die junge Polin von der Geburt eines Sohnes, den sie mit Namen Lothe in Erinnerung behielt. Bei ihren Angaben ĂŒber den Einsatz anderer Arbeiter aus dem Lagerkomplex betonte Klys, dass sie nur dann mit ihnen sprechen konnte, wenn Palitzsch seiner Arbeit im Lager nachging. Vorausgegangen war eine Warnung der Arbeiter selbst, die befĂŒrchteten, durch einen Regelverstoß von Palitzsch getötet zu werden, sobald sich ihm eine Gelegenheit bot. Innerhalb der Familiengemeinschaft wurde der SS-Angehörige als sehr freundlicher und liebender Familienvater beschrieben.cite-ref-24[24]

Festnahme, Verurteilung und Tod

Im Sommer 1942 erkrankte Frau Palitzsch wĂ€hrend einer Typhusepidemie und verstarb nur wenige Monate spĂ€ter an den Folgen ihrer Krankheit.cite-ref-klee308f-25-0[25] Die Nachricht ihres Todes vernahm das HausmĂ€dchen durch Palitzsch selbst, der in der betreffenden Nacht nach Hause kam und unter TrĂ€nen den Kindern vom Schicksal ihrer Mutter berichtete. Auch Klys beschreibt den ĂŒbermĂ€ĂŸigen Alkoholkonsum des Witwers ab diesem Zeitpunkt.cite-ref-26[26]

Nach dem Tod seiner Ehefrau verfiel Palitzsch zunehmend dem Alkohol und hatte mehrere AffĂ€ren, unter anderem auch mit weiblichen HĂ€ftlingen. Im „Zigeunerlager“ wurde er mit dem weiblichen HĂ€ftling Vera Luca/Lukans in eindeutiger Situation in flagranti erwischt. Aufgrund von Untersuchungen bezĂŒglich Diebstahls und Korruption sowie „Rassenschande“ wurde Palitzsch verhaftet und kurzzeitig im Stammlager des KZ Auschwitz im Bunker des Blocks 11 zusammen mit KZ-HĂ€ftlingen arrestiert. Ein mitinhaftierter Pole sowie Otto KĂŒsel beschrieben spĂ€ter, dass Palitzsch in Haft ein ganz anderer Mensch gewesen sei und wie selbstverstĂ€ndlich das unter HĂ€ftlingen ĂŒbliche Du verwandte.cite-ref-langbein457f-27-0[27] Am 1. Oktober 1943 wurde er als LagerfĂŒhrer in das Außenlager BrĂŒnn des KZ Auschwitz III Monowitz strafversetzt. In BrĂŒnn sollte seine Aufgabe darin bestehen, die dortige Technische Akademie der SS und Polizei aufzubauen.cite-ref-28[28] Einen Monat nach seiner Versetzung wurde er aufgrund seiner Taten erneut verhaftet (Vorwurf der „Rassenschande“ / Bereicherung durch Effekten), in das Strafvollzugslager Danzig-Matzkau verlegt und von einem SS- und Polizeigericht wegen seiner Taten zu einer mehrjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilt. In der Folge wurde er jedoch begnadigt und im Juni 1944 aus der SS ausgeschlossen. Danach wurde er rangmĂ€ĂŸig degradiert und einer BewĂ€hrungseinheit zugeteilt.cite-ref-langbein457f-27-1[27]

Palitzsch starb am 7. Dezember 1944 bei Kampfhandlungen in Ungarn wÀhrend der Schlacht um Budapest.cite-ref-29[29]

Zitate

Dem Lagerkommandanten von Auschwitz Rudolf HĂ¶ĂŸ war Palitzsch bereits in den 1930er Jahren aus anderen Konzentrationslagern bekannt. Laut diesem habe Palitzsch mehr als die wechselnden SchutzhaftlagerfĂŒhrer die HĂ€ftlinge regiert, terrorisiert und mit ihnen GeschĂ€fte gemacht. Durch Drohungen und BegĂŒnstigungen habe er ein Beziehungsnetz zu diesen aufgebaut, das seine Machtstellung im Lager vergrĂ¶ĂŸert und ihn seitens seiner Vorgesetzten nahezu unangreifbar gemacht habe. HĂ¶ĂŸ fasst sein Urteil ĂŒber Palitzsch wie folgt zusammen:

„Palitzsch war die gerissenste und verschlagenste Kreatur, die ich wĂ€hrend meiner langen, vielseitigen Dienstzeit bei den verschiedenen KL kennengelernt und erlebt habe. Er ging buchstĂ€blich ĂŒber Leichen, um seine MachtgelĂŒste zu befriedigen!“cite-ref-30[30]

Den ĂŒbermĂ€ĂŸigen Einfluss von Palitzsch auf das Lagerleben bezeugt auch Hermann Langbein, der als HĂ€ftling Schreiber des Standortarztes in Auschwitz gewesen war. Demnach bestimmte Palitzsch „von Anfang an als routinierter und energischer RapportfĂŒhrer weitgehend das Klima in Auschwitz.“cite-ref-31[31]

Literatur

‱ Rudolf HĂ¶ĂŸ: Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen. Herausgegeben von Martin Broszat. Deutscher-Taschenbuch-Verlag, 24. Auflage, MĂŒnchen 2013, ISBN 978-3-423-30127-5.
‱ WacƂaw DƂugoborski, Franciszek Piper (Hrsg.): Auschwitz 1940–1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Verlag Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Oswiecim 1999, 5 BĂ€nde: I. Aufbau und Struktur des Lagers. II. Die HĂ€ftlinge – Existenzbedingungen, Arbeit und Tod. III. Vernichtung. IV. Widerstand. V. Epilog., ISBN 83-85047-76-X.
‱ Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oƛwięcim 1998, ISBN 83-85047-35-2.
‱ Ernst Klee: Auschwitz. TĂ€ter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon, 1. Auflage, S. Fischer, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-10-039333-3.
‱ Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Frankfurt am Main, Berlin, Wien, Ullstein-Verlag, 1980, ISBN 3-548-33014-2.
‱ Witold Pilecki: Freiwillig nach Auschwitz. Die geheimen Aufzeichnungen des HĂ€ftlings Witold Pilecki. Aus dem Englischen von Dagmar Mallett, ZĂŒrich, 2013, Orell FĂŒssli Verlag 2013, ISBN 978-3-280-05511-3.
‱ Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): SterbebĂŒcher von Auschwitz. Band 1: Berichte, K.G. Saur Verlag, MĂŒnchen 1995, ISBN 3-598-11263-7.

Weblinks

‱ Foto von Palitzsch
‱ Kurzbiografie Gerhard Palitzsch

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ VollstĂ€ndiger Name nach: Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): SterbebĂŒcher von Auschwitz, Band 1: Berichte, K.G. Saur Verlag, MĂŒnchen 1995, S. 292
cite-note-22. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/31610953
cite-note-33. ↑ Rudolf HĂ¶ĂŸ: Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen. Herausgegeben von Martin Broszat. Deutscher-Taschenbuch-Verlag, 24. Auflage, MĂŒnchen 2013, S. 137, Fußnote 2 (von Martin Broszat).
cite-note-44. ↑ Irena Strzelecka, Piotr Setkiewicz: Bau, Ausbau und Entwicklung des KL Auschwitz und seiner Nebenlager. In: Aleksander Lasik, Franciszek Piper, Piotr Setkiewicz, Irena Strzelecka: Auschwitz 1940–1945, Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, Band 1: Aufbau und Struktur des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz – Birkenau Oƛwięcim, 1999. S. 73–145. Hier: S. 75.
cite-note-55. ↑ Zitiert nach Martin Broszat (Hrsg.): Rudolf HĂ¶ĂŸ: Kommandant in Auschwitz, Autobiographische Aufzeichnungen, MĂŒnchen 1989, S. 92.
cite-note-66. ↑ Martin Broszat (Hrsg.): Rudolf HĂ¶ĂŸ: Kommandant in Auschwitz, Autobiographische Aufzeichnungen, MĂŒnchen 1989, S. 93.
cite-note-lasik232-77. ↑ Aleksander Lasik: Die Organisationsstruktur des KL Auschwitz, in: Aleksander Lasik, Franciszek Piper, Piotr Setkiewicz, Irena Strzelecka: Auschwitz 1940–1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations und Vernichtungslagers Auschwitz. Band 1: Aufbau und Struktur des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Oƛwięcim 1999, S. 232.
cite-note-88. ↑ Zitiert bei Ernst Klee: Auschwitz, TĂ€ter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde, Ein Personallexikon, Frankfurt a. M. 2013. S. 308f.
cite-note-99. ↑ Aleksander Lasik: Die Organisationsstruktur des KL Auschwitz. In: Aleksander Lasik, Franciszek Piper, Piotr Setkiewicz, Irena Strzelecka: Auschwitz 1940–1945, Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, Band 1: Aufbau und Struktur des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz – Birkenau Oƛwięcim, 1999. S. 165–317. Hier: S. 227.
cite-note-1010. ↑ Martin Broszat (Hrsg.): Rudolf HĂ¶ĂŸ: Kommandant in Auschwitz, MĂŒnchen 1989, S. 100
cite-note-museum240-1111. ↑ Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oƛwięcim 1998, S. 240
cite-note-1212. ↑ SS-UnterscharfĂŒhrer Pery Broad ĂŒber die Exekutionen in Block 11 Zitiert bei: Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oswiecim 1998, 439.
cite-note-1313. ↑ Zitiert nach Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz, Frankfurt am Main 1980, S. 440.
cite-note-1414. ↑ Franciszek Piper: Auschwitz 1940–1945, Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, Band 3: Vernichtung, Staatliches Museum Auschwitz – Birkenau Oƛwięcim 1999. S. 95
cite-note-1515. ↑ Franciszek Piper: Auschwitz 1940–1945, Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, Band 3: Vernichtung, Staatliches Museum Auschwitz – Birkenau Oƛwięcim 1999. S. 142. Und siehe auch: StanisƂaw Klodzinski: Die erste Vergasung von HĂ€ftlingen und Kriegsgefangenen im Konzentrationslager Auschwitz, S. 272
cite-note-1616. ↑ Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oswiecim 1998, S. 64f
cite-note-1717. ↑ Eintrag 3. September 1941 bei Chronologie des Holocaust (Memento des Originals vom 29. April 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.holocaust-chronologie.de
cite-note-lasik238-1818. ↑ Aleksander Lasik: Die Organisationsstruktur des KL Auschwitz, in: WacƂaw DƂugoborski, Franciszek Piper (Hrsg.): Auschwitz 1940–1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Oswiecim 1999, Band 1: Aufbau und Struktur des Lagers, S. 238
cite-note-1919. ↑ Jan Wolny: Wspomnienia sanitariusza z obozów w Dachau, Oswiecimiu i Mauthausen, in: Przeglad Lekarski: Themenheft Auschwitz, Ausgabe 23, 1968. S. 215
cite-note-2020. ↑ Franciszek Piper: Auschwitz 1940–1945, Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, Band 3: Vernichtung, Staatliches Museum Auschwitz – Birkenau Oƛwięcim 1999. S. 109
cite-note-2121. ↑ Aleksander Lasik, Franciszek Piper, Piotr Setkiewicz, Irena Strzelecka: Auschwitz 1940–1945, Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, Band 1: Aufbau und Struktur des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz – Birkenau Oƛwięcim, 1999. S. 321–380. Hier: S. 383.
cite-note-2222. ↑ Vgl. Aleksander Lasik, Franciszek Piper, Piotr Setkiewicz, Irena Strzelecka: Auschwitz 1940–1945, Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, Band 1: Aufbau und Struktur des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz – Birkenau Oƛwięcim, 1999, S. 121.
cite-note-2323. ↑ Zitiert bei Piotr Setkiewicz (Hrsg.): The Private Lives of the Auschwitz SS, Auschwitz, State Museum Oƛwięcim 2014, S. 57
cite-note-2424. ↑ Piotr Setkiewicz (Hrsg.): The Private Lives of the Auschwitz SS, Auschwitz, State Museum Oƛwięcim 2014, S. 57
cite-note-klee308f-2525. ↑ Ernst Klee: Auschwitz, TĂ€ter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde, Ein Personallexikon, Frankfurt a. M. 2013, S. 308 f.
cite-note-2626. ↑ Piotr Setkiewicz (Hrsg.): The Private Lives of the Auschwitz SS, S. 59
cite-note-langbein457f-2727. ↑ Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz, Frankfurt am Main 1980, S. 457–458
cite-note-2828. ↑ Ernst Klee: Auschwitz, TĂ€ter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde, Ein Personallexikon, Frankfurt a. M. 2013, S. 309.
cite-note-2929. ↑ Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main 2005, S. 448
cite-note-3030. ↑ Zitiert nach Martin Broszat: Rudolf HĂ¶ĂŸ. Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen, MĂŒnchen 2013, S. 137 Anm. 2.
cite-note-3131. ↑ Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz, Frankfurt am Main 1980, S. 439.